4.48 psychose

kammeroper in 24 szenen von philip venables (2016/20219) | nach dem theaterstück von sarah kane | in deutscher sprache in einer übersetzung von durs grünbein

4 Uhr 48. Alle 24 Stunden lässt in dieser grauesten Stunde der Nacht die Wirkung des Psychopharmaka-Cocktails nach – bis zur nächsten Dosis 72 Minuten später. Jede Nacht zu dieser Uhrzeit hebt sich der medikamentöse Schleier vom gepeinigten Bewusstsein und sie kehren wieder, die aufdringlichen dunklen Gedanken, die alles andere zu verdrängen drohen. Alptraumvisionen. Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Selbsthass. Erinnerungsfetzen: an Gespräche mit einem abwesenden Geliebten. Mit einem Therapeuten, dessen professionelle Distanz geradezu grausam wirkt.

In 24 kurzen, eindringlichen Szenen taucht Philip Venables’ Kammeroper nach Sarah Kanes gleichnamigem Schauspiel in das Innenleben einer psychisch erkrankten Frau ein, die jede Nacht um 4 Uhr 48 einen Zustand subjektiver Klarheit erlebt, der jedoch von außen aussieht wie ein psychotischer Schub. Ein gleichermaßen erschütterndes wie faszinierendes Zeugnis des Kampfes einer Seele, die mit den dunkelsten Seiten der menschlichen Existenz ringt, sich dem lockenden Ruf des Abgrunds aber nicht widerstandslos ergeben will.



premiere am 26. april 2025 | staatstheater mainz, kleines haus

musikalische leitung: samuel hogarth inszenierung: rahel thiel ausstattung: elisabeth vogetseder licht: frederik wollek dramaturgie: theresa steinacker toncollagen: arne stevens

mit: alexandra samouilidou, maren schwier, vera ivanović, verena tönjes, alexandra uchlin, karina repova / alessandra corti

schlagzeug links: yaka ohta schlagzeug rechts: yu-ling chiu

philharmonisches staatsorchester mainz


fotografie (c) andreas etter


analog zu venables‘ musik ist rahel thiels äußerst
formbewusste inszenierung über die realismusferne hinweg
unmittelbar empfindungsstark, ohne darüber die dem text
eingeschriebene distanz zu brechen. venables wie thiel machen
klar, dass sie darin keinen widerspruch sehen.

stefan michalzik, frankfurter rundschau

einer von vielen berührenden momenten in rahel thiels
großartig stimmiger inszenierung.

ursula böhmer, SWF kultur

rahel thiels inszenierung füllt diesen raum mit intensiven
bewegungsstudien; die präzise führung der figuren wird zum
sinnbild widerstreitender innerer vorgänge.
komplex, verstörend, expressiv und meisterlich.

johannes breckner, allgemeine zeitung mainz


mit einhelliger begeisterung ist im kleinen haus des mainzer staatstheaters die premiere der kammeroper „4.48 psychose“ von philip venables aufgenommen worden.

doris kösterke, frankfurter allgemeine zeitung

SWF kultur