
dramma per musica von johann christian bach | libretto giovanni gualberto bottarelli nach pietro metastasio: “siface re di numidia” | in italenischer sprache mit deutschen übertiteln | ua: 1763 im londoner king’s theatre
Eine Welt, in der Frieden durch eine Hochzeit erkauft werden soll. Eine junge Frau wird zum politischen Spielball – und findet genau darin ihre eigene Stärke. In dieser Oper geht es um Liebe, Macht und die Frage, wem wir gehören: dem Staat, der Familie oder unserem Gewissen. Intrigen, verbotene Gefühle und große Entscheidungen treiben diese Figuren an den Rand der Gewalt. Dabei ist es nicht das Historische, sondern etwas Zeitloses in den Menschen: Was passiert, wenn Mitgefühl stärker ist als Rache?
Das erst 2010 wiederentdeckte Bühnenwerk “Zanaida” von Johann Christian Bach entfaltet seine Handlung entlang der Konflikte seiner Figuren, deren Freiheit und Selbstbestimmung im Gemenge von persönlichen Interessen, politischen Machtstrukturen und heroischem Idealismus zerrieben zu werden drohen. Ihre Gefühle um Liebe und Hass spannt Johann Christian Bach in eine hinreißend virtuose wie berückende Musik.
musikalische leitung: johanna soller | inszenierung: rahel thiel | bühne und kostüme: judith philipp | licht: andreas juhnke, silvio schneider | dramaturgie: clara rempe
zanaida: miriam kutrowatz | roselane: pia davila | mustafa: matthias lika | tamasse: elmar hauser | osira: anna-lena elbert | cisseo: philipp mathmann | aglatida: laila salome fischer | silvara: sarah gilford | gianguir: florian sievers
kammerakademie potsdam
premiere am 27. februar 2026 in der friedenskirche des schlosspark sanssouci
die winteroper potsdam ist eine koproduktion des hans otto theater potsdam und der kammerakademie potsdam































fotos (c) stefan gloede
eine musikalische traumreise mitten durch in einsamkeit und selbstverstrickung gefangene seelen und autodestruktive liebesfanatiker…die inszenierung von rahel thiel, die dem wenig variablen ort einer kirche wegen sehr einfach und elementar gehalten ist…setzt auf eine durchpsychologisierte geschichte vom emotionalen wankelmut der menschen, ihrem opportunismus und ihrer unfassbaren grausamkeit…die botschaft, dass sich nicht alles innerhalb kürzester zeit in wohlgefallen auflösen kann, wie vom libretto eigentlich vorgesehen, und alle dagegen ankämpfen müssen, gehör zu finden, wird deutlich. wie wahr! ein kluger, existenzialistischer ansatz, der…ein heutiges publikum mit allen betreffenden existenziellen fragen unmittelbar involvieren dürfte… eine durchaus erfreuliche…wiederbelebung eines wertvollen, zu seiner zeit visionären werkes.
dr. ingbert waltenberger. online-merker
bachs oper mündet schließlich, den konventionen entsprechend, doch in ein glückliches ende, was regisseurin rahel thiel nicht gelten lassen will…mit verschiedenen kniffen deutet sie das finale radikal modern neu.
udo badelt. tagesspiegel.
kluger verzicht auf effekthascherische tagespolitik- parallelen…stattdessen konzentriert sich die inszenierung auf die beziehungsdynamik der figuren…zanaida… als vorläuferin der „femme fragile“…eine starke metapher…the power of love aus der barocken operntradition wird hier so klug wie wirkungsvoll dekonstruiert.
ecki ramòn weber. concerti.
die inszenierung von rahel thiel verzichtet auf jedweige exotik, sucht die binnenstruktur in den beziehungen auszuloten…die pointe lässt zanaida, die verschmähte, nicht angeschaute als blinde durch die welt streifen…in einem moment der wahrheit, bei dem alle anderen figuren erstarren, blickt sie ihnen ins gesicht. das versöhnende ende wird durch einen knalleffekt unterbunden.
harald asel. rbb 24.
es geht um die frage, ob sich mitgefühl und empathie durch kunst herstellen lassen…rahel thiel setzt auf schlichte, statuarische bilder, auf deutliche gesten und augenspiel…zanaida wird als blinde seherin, als unheil verkündende kassandra-figur in szene gesetzt. das wahrscheinliche happy-end wird von der regie zuletzt durch ein sehr heutiges geräusch übertönt. ist das der krieg oder ein triebwerk der liebe?
karim saab. maz.
rahel thiel schafft es, die gesamten figuren sehr abstrakt, aber auch sehr klug…zu bewegen, dass man immer weiss, wer traut wem, wer misstraut wem, wer beobachtet wen innerhalb dieser sehr engen hofgesellschaft. die inszenierung „sitzt“ so genau auf der musik.
uwe friedrich. deutschlandfunk kultur.