
le convenienze ed inconvenienze teatrali | opera buffa von gaetano donizetti | libretto vom komponisten basierend auf den beiden gleichnamigen einaktern le convenienze teatrali und le inconvenienze teatrali von antonio simone sografi | in italienischer sprache mit koreanischen und englischen untertiteln | eine produktion des lucete institute for music theatre, busan in südkorea| unterstützt von busan metropolitan city and the busan cultural foundation
Wenn alle ins Rampenlicht wollen
Was passiert, wenn eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern aufeinandertrifft, die alle dasselbe wollen: gesehen werden? Jede und jeder bringt die eigene Persönlichkeit, die eigenen Vorstellungen, Empfindlichkeiten und natürlich die ganz persönliche Bedeutung für die Kunst mit. Und plötzlich wird aus einer Opernprobe ein Schlachtfeld der Eitelkeiten.
Gaetano Donizettis Viva la Mamma führt uns mitten hinein in diese Situation. Ein Opernensemble steckt in den Vorbereitungen für eine Aufführung, doch von geregeltem Probenbetrieb kann schon bald keine Rede mehr sein. Rollenverteilungen sorgen für Unmut, musikalische Vorstellungen prallen auf persönliche Befindlichkeiten, und jeder hat sehr genaue Ideen davon, wie das Werk – und natürlich vor allem die eigene Person darin – zu erscheinen hat. Eine Katastrophe folgt auf die nächste. Und mittendrin: Mamma, die eigentlich gar nicht vorgesehen war und dennoch unbedingt ihren Platz auf der Bühne behaupten möchte.
Das Komische daran ist, dass uns diese Situation erstaunlich vertraut vorkommt. Denn Viva la Mamma erzählt nicht nur von einem Opernensemble – es erzählt von einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam etwas schaffen möchte und dabei immer wieder an den eigenen Egos scheitert.
Gerade das Theater ist ein besonderer Ort für solche Begegnungen. Hier treffen die unterschiedlichsten Charaktere, Temperamente und Vorstellungen von Kunst aufeinander. Alle möchten etwas beitragen, alle möchten gehört werden – und am liebsten natürlich im entscheidenden Moment im Rampenlicht stehen. Das ist menschlich, manchmal rührend und, wenn es aufeinanderprallt, vor allem eines: ziemlich komisch.
Unsere Inszenierung interessiert sich deshalb weniger für die große Opernwelt als für diesen ganz konkreten Moment des Zusammentreffens. Für die Reibung, die entsteht, wenn viele Menschen dasselbe Ziel verfolgen, aber jeder einen anderen Weg dorthin kennt. Denn so chaotisch die Vorgänge auf der Bühne auch werden: Am Ende müssen alle zusammenhalten. Der Vorhang muss aufgehen. Der Abend muss stattfinden. Und gute Kunst entsteht eben nicht durch das größte Ego, sondern durch das Zusammenspiel vieler.
Auch unsere Bühne erzählt davon. Ein Vorhang aus unzähligen Stoffstücken in unterschiedlichen Rot- und Schattierungen bildet aus vielen einzelnen Teilen ein gemeinsames Ganzes. Erst in ihrer Verbindung werden die einzelnen Flicken zum Vorhang – und die abstrakte Spielfläche verwandelt sich schließlich in ein Theater im Theater.
Inmitten dieser Bühnenwelt ragt ein überdimensionaler Stuhl empor. Er ist zugleich Sitz, Podest und Verheißung: ein Ort, von dem aus man gesehen wird. Vielleicht ist er das eigentliche Objekt der Begierde dieser kleinen Theatergesellschaft. Denn wer dort oben sitzt, hat ihn erreicht – den Moment, in dem alle Augen auf ihn gerichtet sind. Doch unsere Figuren wollen nicht nur auf die Bühne. Sie wollen auf die Bühne in der Bühne in der Bühne. Und je mehr jede und jeder nur den eigenen Platz im Rampenlicht sucht, desto ferner rückt dieser Ort.
So wird die Bühne selbst zum Spiegel dessen, was hinter den Kulissen geschieht: Viele Einzelne versuchen, ihren eigenen großen Auftritt zu erkämpfen – und übersehen dabei, dass Theater erst dann lebendig wird, wenn aus den Einzelnen ein Ensemble entsteht.
Vielleicht liegt genau darin die liebevolle Wahrheit von Viva la Mamma: Wir brauchen einander. Auch dann, wenn wir gerade überzeugt sind, dass es ohne uns überhaupt nicht geht.
Und wenn am Ende trotzdem alles schiefgeht? Dann bleibt uns zum Glück noch die Kunst, darüber zu lachen.
Vorhang auf!

künstlerische gesamtleitung baek hyun-ju | regie, bühne, kostüm rahel thiel | musikalische leitung lee dong-shin | choreinstudierung cho gimoon | repetition, sprachcoaching und studienleitung kang min-ji | regieasstistenz und dolmetscherin stella an | umsetzung bühnenbild hwang ji-sun | umsetzung kostümbild park seon-mi | makeupdesign shin yoon-hee| licht myung-chan | produktionsassistenz ham ji-eon | inspizienz park yong-soo
mamma agata lee tae-young| prima donna koo min-young | procolo ryu ki-hoon | maestro han jung-hyun | tenore lee myung-in | luigia lee eun-bi | impressario lee ki-baek | poeta kim jun-yeob
chor kim min-jun, song seung-hyun, jeon ui-chan, oh chang-seok, lee hyun-jun and jung tae-ha
mit dem united korean orchestra
premiere am 11. september 2026 im geumjeong cultural center, golden nuri hall, busan, südkorea








































foto (c) lee dong-gwan
„Der Reiz dieser Aufführung lag genau darin, dieses gegenseitige Aneinandervorbeireden auf der Bühne unaufhörlich zu verstärken. Genau hier trafen sich bei dieser Aufführung Donizettis Musik und die Regie auf besonders faszinierende Weise.“
Rezension: Jeong Hae-seong (Musikkritiker)
„Dieser Stuhl symbolisierte Autorität, Rang und Rolle und war weit mehr als ein einfaches Requisit. Dadurch entstand eine Art kleine ‚Bühne in der Bühne‘, auf der mehrere Sängerinnen und Sänger gleichzeitig unterschiedliche Handlungen ausführen und singen konnten. Besonders gegen Ende des Stücks, wenn nahezu alle Figuren gleichzeitig ihre eigenen Standpunkte und Forderungen sangen, erwies sich dieses Bühnenbild als besonders wirkungsvoll.“
„Statt das Innere und Äußere der Bühne – wie es in einem Theater normalerweise selbstverständlich wäre – zu verbergen, wurden diese Bereiche bewusst sichtbar gemacht. Dadurch wurde das Publikum ständig daran erinnert, dass es gerade eine Metaoper über eine Oper sah.“
„Die Figuren verteilen sich auf dem großen zentralen Stuhl sowie auf beiden Seiten der Bühne. Sie singen gleichzeitig unterschiedliche Gedanken und Texte, und die Bühne wird zunehmend chaotisch. Paradoxerweise gerät die Musik überhaupt nicht aus dem Gleichgewicht. Genau hier trafen sich bei dieser Aufführung Donizettis Musik und die Regie auf besonders faszinierende Weise.“