l’orfeo

favola in musica in einem prolog und fünf akten von claudio monteverdi

Der unglückliche Sänger Orpheus, in seiner italienischen Form „Orfeo“, erleidet je nach Gunst des Zeitgeistes ein anderes Schicksal: Mal verliert er seine geliebte Eurydike für immer, mal haben die Götter genug Mitleid, um über seine Impertinenz hinwegzusehen, mal wird er in Stücke gerissen, mal fährt er in den Himmel auf. Aber seit der Mythos auf der Welt ist, ist Orpheus dazu verdammt, immer wieder den selben Fehler zu machen – er dreht sich nach Eurydike um, auch wenn es das Einzige ist, was er auf keinen Fall darf. Orpheus beeinflusst belebte und unbelebte Natur, er verschafft sich bei allem, was ein Herz hat, Gehör, bahnt sich den Weg durch die Unterwelt, überwindet sogar fast den Tod und scheitert an einer Kleinigkeit. Sein Erfolg macht ihn überheblich, seine Überheblichkeit ängstlich. Orpheus scheitert an sich selbst. Der Chor der Geister mahnt: „Ewigen Ruhm verdient nur der, der sich selbst besiegt“. Für die Zuschauenden ist Orfeos Scheitern aber gerade das, was ihn menschlich macht. Bei Monteverdi ist er bei näherem Hinsehen sogar der einzige richtige Mensch auf der Bühne.

text: anna chernomordik



favola in musica in einem prolog und fünf akten von claudio monteverdi | libretto von alessandro striggio | uraufführung am 24. februar 1607 im palazzo ducale in mantua | in italienischer sprache mit deutschen übertiteln 

premiere am 17. oktober 2020 am musiktheater im revier gelsenkirchen

musikalische leitung: werner erhardt / massimiliano toni konzept und choreografie: giuseppe spota regie: rahel thiel bühne / kostüme: rebekka dornhege-reyes puppenbau: bodo schulte puppencoaching: gloria iberl-thieme dramaturgie: anna chernomordik / dr. olaf roth licht: stefan meik

favola in musica in einem prolog und fünf akten von claudio monteverdi | libretto von alessandro striggio | uraufführung am 24. februar 1607 im palazzo ducale in mantua | in italienischer sprache mit deutschen übertiteln 

musikalische leitung: werner erhardt / massimiliano toni konzept und choreografie: giuseppe spota regie: rahel thiel bühne / kostüme: rebekka dornhege-reyes puppenbau: bodo schulte puppencoaching: gloria iberl-thime dramaturgie: anna chernomordik / dr. olaf roth licht: stefan meik

MiR dance company

orfeo: khanyiso gwenxane euridice: bele kumberger la musica: alfia kamalova messaggera: lina hoffmann la speranza: rina hirayama caronte: michael heine pluto: john lim proserpina: anna schmid apollo: piotr prochera pastori: benjamin hoffmann, camilo delgado díaz, etienne walch, oliver aigner ninfa: wendy krikken spirito: tobias glagau, urban malmberg, petro ostapenko, daegyun jeong eco: camilo delgado díaz

puppenspieler (euridice): daniel jeroma, marharyta pshenitsyna, merten schroedter, seth tietze

dies ist eine gemeinschaftsproduktion der sparten oper, tanz und puppentheater mit den gesamten ensembles des musiktheaters im revier

premiere am 17. oktober 2020 am musiktheater im revier gelsenkirchen


© bettina stoess


die regie von rahel thiel kombiniert die sparten zu einem großen ganzen und vermittelt wie schon vor dem beginn der oper den eindruck einer einheit zwischen sängern, puppenspielern und tänzern.

die zuschauer erleben in der inszenierung von rahel thiel nicht den übermenschlichen orpheus, auch wenn sein gottvater apollo ihn in den himmel abholt, sondern den menschen mit talenten und schwächen.

stadtspiegel

der behutsame und respektvolle umgang des gelsenkirchener teams lässt der geschichte den rang eines mythos, offen und interpretierbar.

deutschlandfunk

das publikum, über zwei stunden tapfer durchmaskiert, feiert L’ORFEO einhellig.

WAZ